Xontormia Express 1277

From Eressea
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Wir schreiben die zweite Woche des Monats Eiswind im Jahre 41 des zweiten
                         Zeitalters. Es ist Winter.

Vorwort

Liebe Leserschaft,

aus den neuen Welten erreichen uns erfreulich viele Artikel. So erfährt man doch ein klein wenig der dortigen Ereignisse. Nun stellt sich die Redaktion die Frage, gibt es in den alten Welten keine spannenden und/oder interessanten Ereignisse?



Neue Welt

Vor dem Sturm

Autor: ein Beobachter der neuen Welt

Ein Tipi in der Steinwüste Senkedcol

Chchchchchcht, chchchchchcht, chchchchchcht. Der Strich des Schleifsteins über die Speerklinge hatte etwas vertrautes, beruhigendes. Gefühlt eintausend Mal war Graggatza bereits an solchen Feuern gesessen und hatte ihren Speer geschärft. Geborgenheit im Angesicht der Gefahr. Einem Dichter würden dazu bestimmt irgendwelche hohen Worte einfallen. Pfah.

„Meinst du, wir werden das hier irgendwann satt haben?“, frage Shogol. Der Rottenkeiler war ein großer Ork. Bullig. Grimmig. Nach all den Jahren trug er noch immer den alten Sklavenring in der Schnauze, ein mittlerweile rostig gewordenes Stück Eisen, das sein Gesicht noch mehr an ein Schwein erinnern ließ als es das Orkgesicht ohnehin schon tat.

Graggatza schaute nicht auf. „Noch mehr als das Leben im Dorf?“

„Ha“, grunzte Shogol, „gute Antwort. Auch wenn ich mir sicher bin, dass wir beide diese Worte noch bereuen werden.“ Er kratzte sich umständlich am Bauch. „Ich haue mich hin. Du hast ein Auge auf die Frischlinge?“

„Hmmm.“

Sie beobachtete, wie sich der Keiler in seine Decken wühlte und strich dabei den Stein ein letztes Mal über die Speerklinge, ehe sie aufstand, um nach dem Rechten zu sehen.

Die Kälte außerhalb des Tipis war wie eine Ohrfeige im Gesicht. Graggatza zog sich die Kapuze über den Kopf und schlüpfte in ihre Fäustlinge. Die Reue über ihre Worte wird nicht lange auf sich warten lassen, mutmaßte sie im Stillen. Wenn sie in dieser Kälte ihre Wache halten musste, würde sie sich sehr schnell zurück in die Wärme und Bequemlichkeit des Dorfes sehnen. Aber noch war es nicht soweit. Vorläufig musste sie nur nach dem Rechten sehen.

Sie fand einen der drei Wachen unter einem Felsvorsprung. Vogogg hatte seinen Fellumhang eng um sich geschlungen und starrte über das Steinfeld, das sie zuletzt durchquert hatten. Der tief stehende Mond warf lange Schatten darüber, und doch war es ein Gelände, was relativ gut einzusehen war.

„Alles in Ordnung?“, erkundigte sie sich.

„Alles in Ordnung.“ Die Stimme des jungen Kriegers klang fest, ordentlich. Vogogg war niemand, um den sich Graggatza Sorgen machen brauchte. Er würde seinen Mann stehen. Zumindest, bis ihn ein Pfeil in die Brust oder ein Axthieb in den Bauch von den Beinen holen würde. Graggatza machte sich nichts vor. Seinen Mann stehen war im Speerwall von enormer Wichtigkeit. Und doch waren es andere Faktoren, die darüber bestimmten, ob ein Ork lebte oder starb. Glück war einer der Wichtigsten davon.

Leise pirschte sie sich auf die andere Seite des Lagers, wo Rekral Wache schob. Er war der Jüngste der Rotte, und der Unsicherste. Doch er bemerkte sie herankommen und rief sie auf, ihm die Losung der Nacht zu verraten, ganz so, wie Shogol und sie es ihm eingebläut hatten.

„Grüner Entendreck“, gab sie den ersten Teil der Losung zurück.

„Graues Sturzgewitter“, vervollständigte Rekral korrekt. Offenbar würde sie ihn heute Nacht nicht erwürgen müssen.

„Bei dir alles in Ordnung?“, erkundigte sie sich auch bei ihm.

„Ja“, kam die Antwort.

„Gut. In zwei Stunden komme ich dich ablösen.“ Sie wollte schon weiter, doch Rekral war noch nicht fertig. Zähneknirschend hielt sie inne. Sie hatte es geahnt.

„Was… was denkst du über all das?“

Graggatza verdrehte die Augen. „Wovon sprichst du? Die Kälte in der Steinwüste? Das Rottenleben?“ Die Frage, warum sie hier in der Steinwüste waren, ließ sie aus; auf die wusste sie selbst noch keine Antwort. Ebenso ließ sie aus, was Rekral aller Wahrscheinlichkeit nach meinte. Er war der letzte Frischling, der sie noch nicht darauf angesprochen hatte.

„Ich… ich meine den Bluthändigen.“

Natürlich. Sie hätte Priesterin werden sollen, dann könnte sie wenigstens Silber für ihre Ratschläge kassieren. „Und weiter?“

„Sollte… sollte ich zu ihm beten?“

„Wenn du… wenn du willst“, imitierte sie seine stockenden Satzbeginn. Mit einem gegrunzten Seufzer setzte sie sich neben ihn.

„Aber... Wirst DU zu ihm beten?“ Als er ihr Kopfschütteln bemerkte, fügte er schnell hinzu: „Aber warum nicht?“

„Meine Erfahrung ist, dass der Gläubige ebenso blutig stirbt wie der Ungläubige.“ Igitz, einen Pfeil zwischen den Rippen, Blut auf den Zähnen, das Gesicht schmerzverzerrt, mit jedem Atemstoß den Namen Gruumsh murmelnd, immer schwächer werdend, bis sich schließlich sein Gesicht entspannte und er verstummte; Shako, mit beiden Armen den Gruufhai schwingend, den Kampfschrei Brazoraaaagh! auf den Lippen, bis ihn die Lanze des Sumpfreiters traf; Zeritzel mit der Gork-Tätowierung auf dem Oberarm, den sie im Kampf gegen den Schwertmeister am Fuße der Schwarzzinne verlor. Natürlich kannte Graggatza genügend Beispiele ungläubiger Orks, die nicht weniger schrecklich umgekommen waren. Götterglaube schien letztendlich aber keinen Schutz zu bieten. Das einzige zumindest einigermaßen sichere Mittel gegen einen grausigen Tod auf dem Schlachtfeld schien zu sein, das Schlachtfeld erst gar nicht zu betreten.

Und hier bist du, Stellvertretende in einer Kriegsrotte, frierst dir den Arsch ab mitten in der Nacht in einer fremden Wüste, auf dem Weg zu irgendeinem Scharmützel, das die Welt sicherlich nicht besser zurücklässt als zuvor, und gibst den Frischlingen weise Ratschläge?

Mit einem Schnauben stand Graggatza wieder auf. Rekral war gerade dabei, etwas zu erwidern, doch sie wischte seine Worte mit einer herrischen Geste zur Seite. „Warum glaubst du, dass ich all die Antworten habe?“, fuhr sie ihn an.

Damit ließ sie ihn zurück, auf der Suche nach Owotz, dem letzten der drei Wachen. Sie konnte den alten Veteranen nicht leiden, doch zumindest würde er sie in Ruhe lassen mit Philosophie und Religion. Owotz betete zu Khaine, seitdem sie ihn kannte.

Am Fuße eines Hügels, Krasnoye Boloto

Krasnoye Bolotonannten die Elfen diese Region am Rande der Ashra-See. Roter Sumpf. Im tiefen Winter war hier jedoch nichts Rotes zu erkennen. Schnee bedeckte die trockenen Stellen des Sumpfes, und dort, wo das Eis das Wasser noch nicht überdeckt hatte, erschienen die Oberflächen schwarz und finster.

Wie die Seelen der Orks, dachte Jorkûshg fröstelnd.

Es war ein miserabler Lagerplatz, den sich Zraan, seine Rottenchefin, ausgesucht hatte, am Nordhang eines kleinen Hügels und damit den ganzen Tag in dessen Schatten, kein Feuer, keine Jagd, alles nur, um nicht zufällig von einem Kundschafter oder einer Patrouille aus dem Süden gesehen zu werden. Jorkushg war kalt, so kalt wie noch nie zuvor in seinem Leben, kalt und gelangweilt. Eine schlechte Kombination, wie er längst festgestellt hatte. So hatte er genug Zeit, die Kälte richtig auszukosten.

Fast vierzig Mann hatten sich hier in diesem Elend versammelt, drei Kriegsrotten und ein paar weitere. Shuuls Rotte war hier, und Chakraz’, und natürlich Zraans. Gleich drei der Speermeister aus Kargaran hatten sich mit ihnen auf den Weg gemacht; Krobav, die Schamanin des Nordischen Erschaffers; und Markov, der bulligste und grimmigste Ork, den Jorkûshg jemals kennengelernt hatte. Er war der Anführer des Haufens. Und das war kein gutes Zeichen.

Feggek, der neben ihm im Schnee kauerte, klopfte ihm hart auf die Schulter und deutete mit seiner in einen dicken Handschuh gepackten Hand nach Norden, wo sich dunkle Gestalten aus dem Nebel schälten, trottende, humanoide Gestalten, die gedrungenen Umrisse von Orks, noch plumper erscheinend durch die dicken Felle, die sie zum Schutze der Kälte trugen. Zehn Mann waren es, die so nach und nach aus dem Nebel traten.

„Shogols Rotte“, meinte Jorkûshg, nachdem die Neuankömmlinge nahe genug heran waren, um die ersten Einzelheiten zu erkennen. Der Ring durch die Schnauze des Anführers war nicht zu verwechseln.

„Shogols“, meinte auch Feggek und spuckte geräuschvoll. Jorkûshgs Speergefährte hatte mit einem von Shogols Leuten noch eine alte Rechnung offen.

Mit gesenkten Köpfen und hängenden Schultern trotteten die Krieger der neuen Rotte an ihnen vorbei. Jorkûshg nickte dem ein oder anderen zu, Männer und Frauen, die während der vielen Übungskämpfe im Dorf zu Freunden geworden waren, oder die er zumindest zu respektieren gelernt hatte. Andere ignorierte er, die Tölpel und Idioten, die vermutlich nicht ihr erstes Scharmützel überleben würden. Vor den letzten beiden wandte er den Blick ab: vor Owotz, dem arroganten Veteranen, der ihn bei den Waffenübungen immer doppelt so hart geschlagen hatte wie es notwendig gewesen wäre, und der auch sonst nie ein gutes Wort für irgend einen der Frischlinge übrig gehabt hatte; und vor Graggatza, Shogols rechter Hand, vor deren Kälte und Hartschnäuzigkeit er insgeheim Angst hatte.

Nachdem die Kriegerin an ihm vorüber war, murmelte Jorkûshg leise: „Jetzt sind alle da.“ Er sah zu Feggek. „Meinst du, wir marschieren heute noch weiter?“

Der Gefährte sah mit zusammengezogenen Augen in das Grau und Weiß des Himmels. „Vielleicht morgen. Shogols Rotte sah müde aus.“

Morgen also. Jorkûshg grunzte. Es sollte ein abfälliges, stolzes, die Gefahr verachtendes Grunzen werden, doch irgendwie klang es in seinen Ohren so wie das weinerliche Quieken eines Frischlings.

Am Blutturm Krovavaya Bashnya

Die Stille war so tief, dass Hargak das Gefühl hatte, darin ertrinken zu müssen. Diese verfickte, verdammte Stille. Die wenigen Geräusche, die der nächtliche Sumpf produzierte, schienen die Stille nur noch zu unterstreichen, noch tiefer zu machen, anstatt sie zu durchbrechen. Das Glucksen von Wasser. Das Schreien eines Uhus. Das Rauschen des Windes in den Binsen. Horgak wollte grunzen, schreien, lachen, jaulen. Doch er musste still bleiben, still wie die anderen, still wie der Tod. Nicht zuletzt, weil sie ihm sonst das Fell über die Ohren ziehen würden, Markov und Shuul und Speermeister Vark.

Hargak war heiß. Sein Leben lang hatte er geübt für diesen Moment, hatte sich geprügelt und geringt, war mit Knüppel und Stab und Speer angetreten, alleine und in der Reihe, hatte alles über sich ergehen lassen, was sich Vark und die anderen ausgedacht hatten, um ihn bereit zu machen für diesen Moment. Hargak wollte laufen, wollte kämpfen, wollte töten, wollte endlich wissen, wie es war, wie es tatsächlich war, ein Kämpfer zu sein, ein Krieger, wollte nicht mehr abseits stehen, wenn die wirklichen Veteranen der Rotte, des Stammes miteinander sprachen. Hargak wollte kein Frischling mehr sein.

Einmal mehr schrie der Uhu. Hargak schwor sich, nach dem Kampf auszuziehen und das Schlafquartier dieses Uhus zu suchen. Und dann würde er dem Vogel die Federn ausreißen, eine nach dem anderen. Bei Khaine, Hargak war aufgeregt. Das Geschrei des Uhus machte es nicht besser.

Khaine. Hargak ballte die Hand zur Faust und klopfte sie sich gegen die Brust. Khaine.

Bei Khaine, lass mich heute stark sein, führe meine Hand, leite mein Herz, lass mich Blut und Tod unter meine Feinde bringen.

Ihm war klar, dass auch der Feind zu Khaine betete, doch das war kein Problem. Der Bluthändige störte sich nicht daran, gegen wen seine Jünger kämpften und ob sie dabei das Blut seiner eigenen Diener vergossen. Hauptsache, das Blut floss, je reichlicher umso besser. Von diesem Punkt aus betrachtet war der Handelsposten der Elfen nicht besonders dazu geeignet, die Aufmerksamkeit des Gottes zu erwecken. Grekesh, der Späher, hatte ihnen berichtet, dass sie mit weniger als einem Dutzend Gegner zu rechnen hatten. Immerhin schien der Name zu passen, den die bisherigen Besitzer ihrem Handelsposten gegeben hatten. Hargak konnte den merkwürdigen Kauderwelsch der Elfen weder im Kopf behalten noch aussprechen, doch der Späher hatte ihm die Übersetzung gleich miterzählt.

Blutturm.

Und auch wenn das Opfer, das er dem Bluthändigen erbringen würde, vielleicht nicht groß sein würde – Khaine zog Blutströme Blutspritzern vor – Hargak würde es am Fuße des Blutturmes erbringen. Und auch das musste etwas wert sein, oder?

Erneut wurde die absolute Stille vom fernen Rufen des Uhus zerrissen. Hargak ballte so hart seine Fäuste, dass sich die Fingernägel schmerzhaft in seine Handflächen gruben. Ob auch das Blut des Uhus als Opfer für Khaine eine Bedeutung hätte? Er schwor sich, es herauszufinden. Später. Nach dem Scharmützel am Fuße des Blutturms.


On a message board in a village somewhere at a mountain slope:

Message 1:
The age of man is over! Orcs have arrived, and all local peasants are now required to pay ten percent of their earnings as taxes to their orc overlords. Failure to comply will be punished by death.

Message 2:
Wanted dead or alive: the unidentified persons that stole the silver purse from tax collector Tabrk. Anyone who has information about this heinous act should contact Tabrk. Special reward for anyone with information about the trees that disappeared from the slopes of the mountain.

Message 3:
It's the Ent Vagabonds! Fellow villagers, don't despair, they will save us from the orcs!