Xontormia Express 1265

From Eressea
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Wir schreiben die zweite Woche des Monats Feldsegen im Jahre 41 des zweiten
                          Zeitalters. Es ist Sommer. (14.05.2022)

Vorwort

Liebe Leserschaft,

der Sommer geht in seine vorletzte Woche und erste Blätter an den Bäumen bereiten sich auf den kommenden Herbst vor. Die Vorratsspeicher der Bauern füllen sich hoffentlich überall. Einige Bauern haben nicht viel Glück in ihrer Heimat. Sie müssen einen großen Teil ihrer Vorräte an Steuereintreiber abgeben. Aber lest selbst.

Wer es noch nicht weiß, es gibt ein Archiv des Xontormia Expresss. Weitere alte Ausgaben werden nach und nach durch Perelis hinzugefügt. Das Archiv findet ihr mit diesen magischen Worten: https://wiki.eressea.de/index.php/Kategorie:Xontormia_Express

Eure Redaktion



Neue Welt

Steuern

Ein Gehöft, halb versteckt zwischen den Bäumen am Waldrand, das Hauptgebäude aus altem Fachwerk, die Nebengebäude aus vom Wetter grau verfärbtem Holz, alle reetgedeckt und windschief. Im Süden ein paar Felder, auf denen trotz dem sommergelben Korn noch die Baumstümpfe zu sehen waren, am Bachlauf ein einzelnes Holzgerüst, auf dem Fische zum Trocknen aufgehängt waren.

‚Reichtum und Überfluss‘, dachte Akraz grimmig, als er aus dem Schutz des Unterholzes am Waldrand heraus seinen Blick über die Szenerie schweifen ließ. Er sah hinüber zu Tabrk, seinem Stellvertreter, und nickte.

„Los jetzt“, zischte dieser.

Kral begann zu trommeln, schnell, rasch, hektisch. Die Truppe Orks sprang aus ihren Verstecken und rannte los, der kleinen Gebäudegruppe entgegen, Tabrk voraus, Kral als letzter, noch immer trommelnd. Stiefel knirschten auf dem Kies des Weges. Speerspitzen blitzten im Licht der aufgehenden Sonne. Akraz seufzte kurz. Nun, da ihn seine Männer nicht sehen konnten, benutzte er den Schaft seiner eigenen Waffe unverhohlen, um sich daran aufzurichten. Sein schlechtes Knie schonend folgte er ihnen.

‚Fürchtet Euch und kauert darnieder. Der Rächer des Morgengrauens fährt auf Euch herab!‘ Angewidert von sich selbst spuckte Akraz zur Seite. Es war schon lange her, dass man Akraz‘ Laufgeschwindigkeit als herniederfahren hätte bezeichnen können. ‚Und was den Rächer des Morgengrauens angeht ...‘

„Raus aus den Häusern!“, brüllte Tabrk in die Stille des Morgens. „Raus aus den Häusern! Raus! Raus! Raus!“ Die anderen stimmten ein in sein Gebrüll. Fäuste droschen gegen Türen, Hände ließen Fensterläden klappern, dazu Krals Trommeln und Tabrks Klatschen. Für jeden, der durch die Kakophonie geweckt wurde, der fürchterliche Eindruck eines Überfallkommandos und nicht der verzweifelte Versuch eines alten Mannes, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Käme einer der Bauern zu klaren Gedanken, würde er vielleicht erkennen, dass ein Kampf gegen Akraz‘ kleinen Trupp aus schlecht ausgerüsteten Orks nicht ganz aussichtslos wäre.

Doch zumindest in diesem Punkt hatte der alte Ishka sie gut ausgebildet. Die ersten Bewohner kamen bereits aus dem niedrigen Stall gestolpert, zwei Ochsenknechte, wie Akraz vermutete, Victraz und Okoshok zerrten einen weiteren aus der kleinen Rundhütte daneben. Tabrk war mit dreien im Haupthaus verschwunden und schrie dort unverständliches Zeug. Akraz überlegte kurz, ob er ihm folgen sollte, entschied sich jedoch dagegen. Die Bauernfamilie schließ bestimmt im ersten Stock. Und Treppensteigen war etwas, wogegen sein Knie noch mehr einzuwenden hatte als gegen Laufen.

Nach und nach füllte sich der Hof mit schlaftrunkenen, nur halb angezogenen Gestalten. Bauer und Bäuerin, eine Alte, wahrscheinlich eine Großmutter, eine Handvoll junge Burschen und Mädel, die genauso gut Kinder des Bauern wie Mägde oder Knechte sein konnten, dazu ein paar Kinder. Angst in ihren Körperhaltungen, Angst in ihren Gesichtern, Angst in ihren Augen, eine Herde Schafe in der Mitte ihres Hofes, umringt von Wölfen, 27 Stück an der Zahl. Akraz ließ seinen Blick schweifen und fand vier, vielleicht fünf, die in einer anderen Situation vielleicht zu Schäferhunden geworden wären.

‚Zu spät‘, dachte Akraz.

Dann trat er nach vorne, räusperte sich, spuckte dann den Schleim, den er dabei emporzog, geräuschvoll auf den Boden. Er wartete kurz, bis sich die Aufmerksamkeit der Hofbewohner auf ihn konzentriert hatte, bevor er erklärte: „Im Namen des Bruchzahnclans fordern wir Tribut.“

- so beobachtet in einem Weiler in der Nähe des Dorfs Kargaran, Bruchzahnclan, Rabenstamm